1. Ziele des Vereins
Wir (Lehrkräfte, Kommunikationspsychologin, Gesprächstherapeutin,
Ärztin) wirken dem späteren Mobbing am Arbeitsplatz und der
Diskriminierung von Minderheiten in der Gesellschaft durch ein gezieltes
soziales Lernen in der Schule entgegen, leisten also Mobbing-Prävention.
Darüber hinaus arbeiten wir mit Eltern, deren Kinder Mobbing-Opfer
oder –Täter sind.
2. Erkenntnisse
Mobbing in der Schulklasse wird von den Lehrkräften häufig nicht
erkannt, weil das typische Abwehrverhalten der Opfer bewirkt, dass sie
nicht als Opfer erkannt werden.Zwei Beispiele:
Ein Schüler, der von den anderen nicht akzeptiert wird, sucht die
Anerkennung der Klasse durch Prahlen zu erlangen. Die Folge: Lehrkräfte
und Schüler sind der Ansicht, er sei selbst schuld, dass er von den
anderen angegangen wird, weil er so prahlt. Ein Schüler, der ständig
von den anderen abgelehnt wird, sucht die schützende Nähe des
Lehrers. Die Folge: Lehrkräfte und Schüler sind der Ansicht,
er sei selbst schuld, dass er von den anderen angegangen wird, weil er
sich so anbiedert.
(Weitere typische Verhaltensweisen: www.karl-dambach.de)
3. Welche Folgen hat dies für die Zeit nach der Schule?
Nicht nur die Opfer werden in ihrer Leistungsfähigkeit, Lebensfreude
und Gesundheit geschädigt (wie Erwachsene als Mobbing-Opfer am Arbeitsplatz),
sondern auch die große Zahl der Mitläufer, Mitmacher, „Ermöglicher“
erfährt einen negativen sozialen Lernprozess, dessen Ergebnisse sich
bis ins Erwachsenenalter hinein festsetzen.
• „Gemeinsam mit anderen Einzelne auszugrenzen, zu hänseln,
zu misshandeln, das ist alltäglich; die Mehrheit amüsiert sich
auf Kosten einer Minderheit.“
• „Gegen die Mehrheit kann man sowieso nichts ausrichten.“
• „Es besteht die Gefahr, dass man selber ausgegrenzt wird.
Dagegen hilft nur, sich auf die Seite der Täter zu stellen und notfalls
mitzumobben.“ Diese Ansichten und Verhaltensweisen sind in Gesellschaft
und Arbeitswelt weit verbreitet.
4. Warum unterbinden die Lehrkräfte das Mobbing nicht einfach?
Wenn sie überhaupt erkennen (siehe Pkt. 2), dass es sich um Mobbing
handelt, haben sie mit erheblichen Widerständen von Seiten der Schüler
zu rechnen, die meist der Ansicht sind, die Ausgegrenzten seien durch
ihr merkwürdiges Verhalten selber schuld. Außerdem will (fast)
niemand in der Klasse die soziale Hierarchie geändert sehen: Die,
die oben stehen, fühlen sich wohl und haben ihren Spaß, die
die weiter unten stehen, sind in der ständigen Angst, sie könnten
selber in die gefürchtete Position des Außenseiters geraten
und wehren sich besonders gegen die Interventionsversuche der Lehrkräfte.
Einfaches Verbieten durch den Lehrer bringt wenig Erfolg, weil Mobbing
häufig in Abwesenheit der Erwachsenen geschieht, auf dem Schulhof,
in den Pausen, auf den Schulwegen.
5. Welche Möglichkeiten
haben die Lehrkräfte zur Intervention und Prävention?
Die Konzeption des gezielten sozialen Lernens ist zu umfassend, um sie
hier detailliert darzustellen. Im Wesentlichen geht es darum,
dass die Kinder und Jugendlichen ...
• erkennen, wie schlecht es den Mobbing-Opfern geht,
• wahrnehmen, dass unter ungünstigen Umständen jeder Opfer
werden kann,
• sich in die Ausgegrenzten einfühlen können,
• Ansichten von anderen akzeptieren und verstehen können,
• Andersartigkeit von Aussehen, Verhalten und Ansichten ertragen
können,
• lernen, sich auf die Seite der Opfer zu stellen und einzugreifen
wagen.
6. Vorträge, Gesprächskreise und Workshops mit Lehrkräften
und Eltern
Das Ende 1998 erschienene Buch von Karl Dambach „Mobbing in der
Schulklasse“ hat von Anfang an viel Anerkennung in den Medien (Zeitungen,
Illustrierte, Fachpublikationen, Rundfunk und Fernsehen) erhalten. Es
ist in der Zwischenzeit in der zweiten Auflage erschienen (Übersetzungen
ins Ungarische und Polnische). Dadurch und durch ein neues Konzept, das
in der Zeitschrift PÄDAGOGIK (Heft 12/02; Dambach/Tauscher/Wilhelm:
„Zivilcourage lernen“) vorgestellt wurde, gab es viele Einladungen
zu Vorträgen vor Eltern und Lehrern. Es bildeten sich entsprechende
Arbeitskreise, die von uns geleitet werden. Auch in die Lehreraus- und
–weiterbildung sind unsere Ansätze eingeflossen.
Darüber hinaus bietet der Verein Gesprächskreise für Eltern
an, deren Kinder in der Schule Mobbing-Opfer sind.
7. Welche Ziele und Aufgaben hat sich der Verein gesetzt?
Damit die Konzeption der Mobbing-Prävention und –Intervention
an vielen Schulen umgesetzt werden kann, müssen
• Lehrkräfte und Eltern informiert und weitergebildet werden,
• entsprechende Arbeitskreise eingerichtet werden,
• Unterrichtsmaterialien entwickelt werden, die in den verschiedenen
Schulformen, Jahrgangsstufen und Unterrichtsfächern eingesetzt werden
können.
E-Mail:
MIPS-eV@web.de
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